startseite  -  der stamm  -  unsere wurzeln  -  musisches  -  photoalbum  -  kontakt  -
geschichte
deutscher pfadfinderbund
goldener löwe

 
 



Anders als zum Beispiel die großen konfessionellen Pfadfinderbünde haben viele kleine Pfadfinderbünde in Deutschland - so auch der Deutsche Pfadfinderbund (DPB) - neben der weltweiten Pfadfinderbewegung aus England noch eine zweite Wurzel, nämlich die Deutsche Jugendbewegung.

Die Deutsche Jugendbewegung nahm ihren Anfang, als im Sommer 1896 ein Steglitzer Student mit einer Gruppe von Schülern auf eine mehrwöchige Fahrt ging. Die Idee fand begeisterten Anklang unter der deutschen Jugend, und schon nach wenigen Jahren gab es in ganz Deutschland solche autonomen Jugendgruppen, die sich Wandervögel nannten und der Enge und Formelhaftigkeit der damaligen bürgerlichen Gesellschaft ihr Leben in Freiheit und in enger Verbindung zur Natur entgegensetzten.

Die Jugendbewegung fand schnell Anschluss zu den damaligen Reformbewegungen, wie den Schulreformern, den Vegetariern und Abstinenzlern und zur Freikörperbewegung. Darüber hinaus entwickelte sie ein starkes Engagement auf kulturellem Gebiet mit Tanz, Gesang, Handwerk u.ä..

 

Ihren ersten Höhepunkt fand die Bewegung 1913 auf dem Hohen Meißner (bei Kassel), auf dem sich verschiedene Jugend- Studenten- und Reformbünde in der Hoffnung zur Freideutschen Jugend zusammenfanden, mit der man hoffte, Einfluss auf das deutsche Kulturleben zu nehmen.

Man fasste die Grundvorstellung der Bewegung in der sogenannten Meißnerformel zusammen, deren Kern bis heute eine wichtige Bedeutung für die Bündische Jugend hat:

 

 

 

 

 Bild 1 Wandervögel auf Fahrt

 

Die Freideutsche Jugend will
aus eigener Bestimmung,
vor eigener Verantwortung,
und in innerer Wahrhaftigkeit
ihr Leben selbst gestalten.

Meißnerlager

Bild 2 Meißnerlager

Der erste Weltkrieg machte aber bald die mit dem Meißnerfest verbundene Hoffnung auf eine Vereinigung der Bewegung zunichte.

Seit etwa 1909 gab es in Deutschland Pfadfinder, die 1911 den alten Deutschen Pfadfinderbund gründeten. Sie orientierten sich an der weltweiten Pfadfinderbewegung, die ab etwa 1907 von dem britischen General Sir Baden Powell gegründet wurde. Ihre Gruppenarbeit wurde zunächst noch viel stärker von Erwachsenen geprägt.

Zu Beginn der zwanziger Jahre ging die Jugendbewegung eine Symbiose mit den Pfadfindern ein, aus der die Bündische Jugend entstand. Diese kombinierte das selbstbestimmte Leben der Wandervögel mit dem strafferen Stil der Pfadfinder und entwickelte ein reges Interesse an der weiten Welt und fremden Kulturen, die in mehrwöchigen Sommergroßfahrten bereist wurden, und denen man viele Elemente, vor allem im Liedgut, für den eigene Stil entnahm.

Natürlich war diese international orientierte und auf Selbstbestimmung bedachte Bewegung den Nationalsozialisten ein Dorn im Auge, und so wurden die einzelnen Bünde bereits in den Jahren ´33/´34 verboten. Viele Gruppen gingen aber in den Untergrund, und so hielten kleine Gruppen trotz massiver Verfolgung und Todesgefahr bis zum Kriegsende durch. Manch ein Bündischer beteiligte sich auch am aktiven Widerstand, so etwa der Gründer unseres Bundes, der sich an den Vorbereitungen für das Juniattentat gegen Hitler beteiligte, und Juden ins Ausland schleuste.

Direkt nach dem Krieg begann man die Bünde wieder aufzubauen. Wenn man heute natürlich auch nicht mehr von einer Jugendbewegung sprechen kann, führen doch einige Tausend Jungen und Mädchen in über siebzig kleineren Bünden das bündische Fahrtenleben und die Kultur der Jugendbewegung fort.


 impressum | sidemap | intern Druckversion